Ostern - Sei ein Mensch!
Osterimpuls von Dechant Wigbert Schwarze
Wo sind wir mit unserem Glauben? Ist er nur noch Balsam, mit dem wir aus Gründen der Pietät guten Geruch verbreiten möchten? Dient er gerade noch dazu, von Weihnachten über Ostern und Pfingsten, von Taufe über Erstkommunion und Hochzeit bis hin zur Beerdigung das Leben etwas feierlicher zu gestalten? Versuchen wir, eine tote Gestalt zu konservieren, als ob noch Leben da wäre, als ob nicht bereits die Würmer an den Restbeständen nagten? Wahren wir Jesus nur noch ein frommes Andenken? »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
So ist nicht nur jeder einzelne von uns gefragt, so sind wir als Kirche gefragt. Sucht sie Jesus am richtigen Platz, bei den Lebenden? Wieviel in der Kirche ist Mumiendienst, pietätsvolle Pflege einer vergangenen Gestalt alter Formen, die längst gestorben sind? Wo sind wir auf dem „Weg zum Grabe, statt dass wir Zeugnis vom Lebendigen geben. »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Diese Frage Gottes an uns darf in der Kirche nicht zum Schweigen kommen.
Wer ist Herr im Haus der Kirche? Es scheint, dass es darüber Unklarheiten gibt: der Papst und die Bischöfe? Oder die Theologen? Oder die Basis? Eine andere Basis kann niemand legen als die, die gelegt ist: Jesus Christu (1 Kor 3, Il).
Er ist der Herr. Die Kirche lebt nicht von der sogenannten Basis und von den Theologen, nicht vom Papst und von den Bischöfen, sondern von Jesus Christus, dem Herrn des Lebens. Es ist höchste Zeit, dass wir uns durch Gottes Wort zur Mitte unseres Glaubens zurückrufen lassen. "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?" Merkt man uns das an, wo das Leben zu suchen und zu finden ist? Sind wir Zeugen des lebendigen Herrn? Dann sind wir am richtigen Platz, in unserer Kirche und in der Gesellschaft.
Dazu kann uns ein Gebet der Vereinten Nationen helfen, das ich Ihnen gerne zu Ostern ans Herz legen möchte.
Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.
Frohe Ostertage wünscht
Pfarrer und Dechant Wigbert Schwarze


