Leben - nicht auf Probe! Auch nicht 2024 – Ein Impuls zum Osterfest von Dechant Wigbert Schwarze

Ostern ist Bekenntnis zum Leben, nicht nur allgemein zum Leben, sondern zu einem bestimmten Leben: »Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.«

Ewiges Leben - wie soll man sich das vorstellen?

Vor einiger Zeit kam ein Mann zu mir, sehr einflussreich in den Medien, ernsthaft religiös. Es ging ihm um die Lebensfrage, um die Frage nach dem Ewigen Leben : »Wie soll man das verstehen? Sind wir nur einmal auf der Erde? Warum nicht mehrmals? Kann es nicht so sein, dass wir von neuem in anderen Lebewesen, in anderen Menschen zur Welt kommen, dass wir wieder geboren werden im ewigen Kreislauf des Lebens?«

Reinkarnation: Wiedergeburt.

Ist das nicht auch eine Art ewiges Leben? Immer im Kreis?

In der Reinkarnationslehre denkt man es sich so: Wie die Natur vergeht, vergeht auch der Mensch. Und wie die Natur zu neuem Leben erwacht, so auch der Mensch. Er ist eingebunden in den ewigen Kreislauf des Stirb und Werde. Das Leben ist wie ein Spiel, das jederzeit neu beginnen kann; man probiert’s halt noch mal. Wenn der erste Versuch nicht gelingt, warum dann nicht ein zweites, drittes, x-tes Leben?

Ist das ein Leben? Wer bin ich, wenn ich schon x-mal irgendein anderer gewesen sein kann, wenn mein Leben die Neuauflage eines anderen ist? Jeder Mensch ist einmalig. Es gibt ihn nicht wieder. Die Zeit, die uns zu leben geschenkt ist, kommt nicht wieder. Sie ist durch den Tod befristet, der Ernstfall. Man kann nicht auf Probe leben, und man kann erst recht nicht auf Probe sterben.

Was erwartet uns? Uns erwartet nicht das Nichts! Uns erwartet alles, weil Gott unser Ein und Alles ist. Er erwartet uns. Ihm trauen wir alles zu, auch den Sieg über den Tod. Ihm gehört das erste und letzte Wort.

In diesem Sinn: Frohe und gesegnete Ostern.

 

Wigbert, Schwarze

Pfarrer und Dechant